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Rauchzeichen der Moderne
Ob Pfeife, Zigarre oder Zigarette – Rauchende Menschen tauchen in der Kunstgeschichte immer wieder auf. Mal stehen sie für Gelassenheit und Genuss, mal für Nachdenklichkeit, Rebellion oder Vergänglichkeit. Vom gemütlichen Pfeifenraucher in der niederländischen Malerei bis zu den rauchenden Ikonen der Moderne erzählt jede Darstellung ihre eigene Geschichte. Ein genauer Blick lohnt sich also – denn manchmal steckt hinter einer kleinen Rauchwolke weit mehr, als man auf den ersten Blick vermutet.
Die folgenden Werke laden dazu ein, diesen vielschichtigen Bildmotiven auf die Spur zu kommen.
Lotte Jacobi
LOTTE LENYA
Silbergelatineabzug. 1928.
Schöner kann man nicht rauchen: In Lotte Jacobis eindrucksvollem Porträt der Schauspielerin Lotte Lenya wird die Zigarette zum selbstverständlichen Bestandteil einer selbstbewussten, modernen Erscheinung. Besonders in den Goldenen Zwanzigern wurde das Rauchen für viele Frauen zum Symbol von Selbstbewusstsein und Emanzipation, nachdem es bis ins 20. Jahrhundert hinein vor allem Männern vorbehalten gewesen war. Stilvolle Zigarettenspitzen, kunstvoll gestaltete Aschenbecher und edle Feuerzeuge entwickelten sich zu begehrten Accessoires und unterstrichen den Zeitgeist. Gleichzeitig nutzte die Zigarettenindustrie die Strahlkraft des Kinos als neues Leitmedium, um die Zigarette als Symbol für Stil, Unabhängigkeit und erotische Ausstrahlung zu inszenieren.
Max Beckmann
GRUPPENBILDNIS EDENBAR
Holzschnitt. 1923.
In den 1920er-, 30er- und 40er-Jahren gehörte das Rauchen fest zum gesellschaftlichen Leben. Ob als kleine Auszeit im Arbeitsalltag oder als luxuriöses Genussmittel der gehobenen Gesellschaft – Zigarren und Zigaretten waren allgegenwärtig und Ausdruck eines modernen Lebensgefühls. Mit der industriellen Produktion wurde die Zigarette zunehmend für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und entwickelte sich zur Massenware.
Auch im Werk von Max Beckmann begegnet uns das Rauchen immer wieder. Im Gruppenbildnis Edenbar prägt es die Atmosphäre des pulsierenden Nachtlebens, während sich der Künstler im Raucher (Selbstbildnis) mit Zigarette als nachdenklicher Beobachter seiner Zeit ins Bild setzt.
Neben Zigarren und Zigaretten war auch die Pfeife vor allem in intellektuellen Kreisen ein beliebtes Rauchutensil. So inszenieren sich Karl Schmidt-Rottluff und Emil Nolde mit der Pfeife als selbstbewusste Künstlerpersönlichkeiten in ihren Selbstporträts.
Mit Weegees Fotografie Fiorello La Guardia Lighting a Cigar erweitert sich der Blick auf das Motiv um eine dokumentarische Perspektive. Die Zigarre galt lange als Symbol für Erfolg, gesellschaftliches Ansehen und kultivierten Genuss – ein Ritual, das Zeit, Muße und eine gewisse Souveränität ausstrahlte. Weegee zeigt den New Yorker Bürgermeister jedoch nicht in einer repräsentativen Pose, sondern in einem flüchtigen Moment beim Anzünden seiner Zigarre. Gerade diese beiläufige Geste verleiht der Aufnahme ihre Authentizität und macht deutlich, wie selbstverständlich die Zigarre einst zum öffentlichen Auftreten einflussreicher Persönlichkeiten gehörte.
Ob Ausdruck von Intellekt, Bohème, Eleganz oder künstlerischer Selbstinszenierung – das Rauchen eröffnet in diesen Werken spannende Einblicke in die Bildsprache einer Epoche. Heute hat sich unser Blick auf das Motiv grundlegend verändert. Gerade deshalb lohnt es sich, die Bilder neu zu betrachten.